HOME NOT SHELTER! Gemeinsam leben statt getrennt wohnen

Hochschulübergreifende Initiative zur Schaffung von integrativen Wohnlösungen für Migranten und Studierende

Thema und Rahmenbedingungen

Krieg, Gewalt und Verfolgung, aber auch Armut und Not zwingen Jahr für Jahr Millionen von Menschen ihre Heimat zu verlassen, um sich auf eine unsichere, oft lebensbedrohliche Reise in Richtung Europa zu begeben. Aufgabe der Gesellschaft ist es, diese notleidenden Menschen aufzunehmen und zu versorgen. Die Aufgabe von ArchitektInnen und PlanerInnen ist es, geeignete Unterkünfte für die Menschen zu denken und entwerfen, die nicht nur kurzfristige Sonderunterkünfte sind („Shelter“). Die Herausforderung besteht darin, architektonische Strategien zu entwickeln, um Zuwanderung für Städte und Gemeinden nicht nur sozial verträglich, sondern auch kulturell bereichernd zu gestalten. Zudem gilt es, Orte und Visionen zu entwickeln, die langfristige Integrationsperspektiven eröffnen.

Wohnen ist nicht nur eine Frage der „Unterbringung“, sondern ein Grundrecht, das eng verknüpft ist mit der Frage der sozialen Teilhabe an der Gesellschaft. Dies betrifft insbesondere Menschen, die keine oder nur wenige Möglichkeiten haben, über ihre Wohnsituation selbst zu entscheiden. Davon sind besonders Flüchtlinge und MigrantInnen betroffen. Gegenstand der Initiative ist es, Integrations- und Teilhabechancen durch städtebauliche und architektonische Maßnahmen zu verbessern. Die Frage nach geeignetem Wohnraum für MigrantInnen wird nur allzu oft als wirtschaftliches oder politisches Problem wahrgenommen, ohne dass hierbei nach Chancen und Entwicklungspotentialen gefragt wird. In diesem Projekt sollen Potentiale der Architektur und Stadtplanung ausgelotet und visionäre, zugleich umsetzbare Strategien entwickelt werden, die nicht nur menschenwürdige Wohnsituationen, sondern auch sozialräumlich günstige Voraussetzungen für Integrationsprozesse schaffen. Durch solche Konzepte und Visionen kann die Vorstellung der neuen Gesellschaft konkretisiert werden. So können auch Ressentiments und irrationale Ängste durch positive Beispiele abgebaut werden, wie die Integration der neuen Bürger vorstellbar und als gemeinsame Bemühung leistbar wird.

Mit Blick auf den Prozess der Integration der Menschen bildet die Frage nach neuen gemeinschaftlichen Wohnformen von  Flüchtlingen und Studierenden den Ausgangspunkt des Projekts. Die Kombination erscheint vielversprechend: So sind Studierende im Allgemeinen weltoffen, tolerant, als Gruppe selbst kulturell sehr vielfältig und in der Regel interessiert an anderen Menschen und Kulturen.  Hinzu kommt, dass Wohnen für Studierende meist temporären Charakter hat und in dieser Lebensphase auch oft unkonventionelle Wohnformen gesucht und erprobt werden. Die Tatsache, dass Studierende häufig selbst Neuankömmlinge an den Studienorten sind und ein besonderes Interesse an einem neuen Sozialumfeld haben, kann sich ebenfalls positiv auf die Entwicklung neuer (Wohn-)Gemeinschaften auswirken. Im umgekehrten Fall, können die Flüchtlinge und MigrantInnen einen wertvollen Beitrag für gemeinsame Wohnformen leisten. Ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Erfahrungen können den Horizont der Studierenden erweitern. Wichtiger aber noch: der temporäre Charakter solcher Wohnformen kann den Bedürfnissen junger Flüchtlinge und MigrantInnen entsprechen. Auch sie befinden sich in einer (ungleich dramatischeren) Phase des biografischen Übergangs, die ihren erfolgreichen Abschluss in anderen, nichttemporären Wohn- und Lebensformen finden kann und soll.

Das Projekt ist bewusst nahe an der Lebenswirklichkeit der Studierenden angesiedelt: Wie kann ein solches Zusammenleben mit MigrantInnen ausgestaltet werden, wie können in solchen Wohnformen tägliches Leben, gemeinsame Bildungsprozesse und gleichzeitig kulturelle Vielfalt organisiert und gestaltet werden? Die Projekte sollen prototypische Beispiele sein, wie man bei der räumlichen Unterbringung von MigrantInnen von einer Politik der Ausgrenzung zu einer Kultur der Integration kommen kann, in der interkulturelles Zusammenleben auch räumlich und lebensnah gefördert wird.

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