Das Projekttreffen in Wien

Am Wochenende des 12. und 13. Dezember fand ein weiteres Projektreffen von „HOME NOT SHELTER!“ statt, diesmal in Wien. Wie schon zuvor waren studentische Teams und ihre Dozenten aus allen Projektstandorten (Berlin, Oldenburg, Hannover und München) angereist, um zusammen an Entwürfen zur Schaffung von integrativen Wohnlösungen für Migranten und Studierende zu arbeiten.

In Wien galt es, Beispiele für vergleichbare Projekte zu besichtigen und kennenzulernen, gemeinsam an den Entwürfen weiterzuarbeiten und sich dabei mit den anderen Gruppen auszutauschen. Zudem fand am Samstagabend eine öffentliche Podiumsdiskussion statt, welche die aktuelle Situation rund um das Thema bezahlbares Wohnen in Wien genauer beleuchtete.

Das Wochenende begann in der „VinziRast – mittendrin“. VinziRast besteht aus vier Projekten: Die VinziRast-Notschlafstelle, das Übergangswohnhaus „VinziRast-CortiHaus“ für ehemals obdachlose Menschen, die „VinziRast-Wohngemeinschaft“ für abstinent lebende Alkoholkranke, und „VinziRast-mittendrin“, wo ehemals obdachlose Menschen mit Studierenden leben. Alexander Hagner von der TU Wien und Architekt des Hauses führte durch die Räumlichkeiten des Projekts und erzählte die bemerkenswerte Entstehungsgeschichte. Im Anschluss schlossen sich die Studierenden zu sogenannten Expertengruppen zusammen, die sich mit verschiedenen themenrelevanten Fragen konkreter beschäftigten. So mischte sich das Wissen der Hochschulprojekte und es kristallisierten sich übergeordnete Fragestellungen wie Partizipation, Einbettung in die Nachbarschaft, interne Kommunikation etc. heraus.

Ab 19.00 Uhr wurde dann im Festsaal der TU Wien auf einem Podium diskutiert, Gäste waren Christoph Chorherr (Gemeinderat in Wien), 
Dr. Winfried Kallinger (Development- & Bauträger GmbH Kallco), 
Dipl.-Ing. Jutta Kleedorfer (Mehrfach- und Zwischennutzungen, Stadt Wien), Dr. Katerina Kratzmann (Internationale Organisation für Migration IOM), Prof. Rudolf Scheuvens (Department für Raumentwicklung, TU Wien), 
Dr. Bernhard Steger (Büro für Stadtentwicklung & Verkehr, Stadt Wien), Mag. Hans Jörg Ulreich (Bauträger & Plattform Wohnungsbau) und Prof. Dietmar Wiegand (Projektentwicklung & Projektmanagement, TU Wien).

Einzelne Punkte tauchten in der Diskussion immer wieder auf: das Fehlen von Informationen und valider Zahlen, um Bedarfe an Wohnraum in den kommenden Jahre tatsächlich einschätzen zu können, eine fehlende Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen und Ämter, die für eine schnelle Schaffung von Wohnraum aber dringend notwendig ist, sowie bürokratische und baurechtliche Hürden; ein durchgehend schwieriges bis völlig unbesetztes Thema ist die Einbindung der Zielgruppe der Flüchtlinge selbst. Hier bleibt auch in Wien die Praxis von jedem Anspruch an Partizipation weit entfernt.

Am Sonntag kam es zu einem gemeinsamen Frühstück im magdas Hotel, wo ein großer Teil der Gruppe auch übernachtet hatte. magdas Hotel ist Österreichs erstes Social-Business-Hotel und wird von Flüchtlingen unter Einbezug von Tourismus-Profis betrieben. Der Träger ist die Caritas, die auch das Gebäude zur Verfügung stellte.

Eine der aktiven ArchitektInnnen des Projekts, Johanna Aufner, erzählte eindrucksvoll die Entstehung des Projekts. Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig es im Fall magdas Hotel war, dass man die Dinge einfach versucht und umgesetzt hat, statt sich von bestehenden gesetzlichen und gesellschaftlichen Hürden abhalten zu lassen. Wenn man gemeinsam Dinge schaffen will, so Johanna Aufner immer wieder, dann gibt es auch einen Weg. Selbst bei einem so komplexen Fall wie dem Umbau eines Hauses in einer dichtbesiedelten Stadt wie Wien.

Das magdas Hotel ist ein tolles Beispiel sowohl für die Einbindung von Migranten und freiwilligen Helfern, aber auch die kreative Verwendung von vorhandenen Materialien im Sinne eines Upcylings. Zudem bildet das Hotel mittlerweile selber aus und bietet so echte Perspektiven. Das Hotel hat insgesamt 64 Zimmer, zudem leben dort 25 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge auf einer eigenen Etage in Wohngemeinschaften.

An Nachmittag setzte sich die Projektarbeit wieder an der TU Wien fort. In angeregten und auch kontroversen Diskussionen wurden projektübergreifende Ansätze besprochen, seien diese baukonstruktiver Art wie System- oder Modulbau oder aber soziokultureller Natur wie etwa Fragen des Zusammenlebens und –arbeitens oder die Einbettung der Projekte in das/die urbane Umfeld/Quartier/Nachbarschaft.

Fortsetzung und vorläufiges Finale von „HOME NOT SHELTER!“ werden die „Social Design Elevation Days 2016“ vom 20. bis zum 24.2.2016 in München sein. Das mehrtägige Format richtet die Hans Sauer Stiftung im Impact Hub Munich aus. Mehr demnächst hier.

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