Die Architekturbiennale 2016 und Home not Shelter!

Die internationale Architekturbiennale 2016, die noch bis zum 27. November dieses Jahres in Venedig stattfindet, beschäftigt sich traditionell mit dem Einfluss der Architektur auf die Gesellschaft. So ist es nicht verwunderlich, dass sich einige Länderpavillons aufgrund der derzeitigen weltpolitischen Lage dem Thema Wohnraum für Flüchtlinge widmen. Unter dem Gesamttitel der Ausstellung „Reporting from the front“ (dt. „Bericht von der Front“) stellen Architekten und Entwerfer Lösungen von der vordersten Front der Ideensuche vor.

 

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Besucher des österreichischen Pavillons beim Lesen des Orte für Menschen-Magazins

Österreich
Der Beitrag des Landes Österreichs, „Orte für Menschen“, nimmt die Wohnsituation der Flüchtlinge in Österreich konkret ins Visier und geht bei der Vermittlung einen unkonventionellen Weg. Im Vorfeld der Biennale wurden die Ideen der beteiligten Architekten geplant und umgesetzt, sodass sie, wie die Verantwortlichen es nennen, einem ‚Reality-Check‘ unterzogen wurden bevor sie präsentiert wurden.
Gefragt wurde nach menschenwürdigen temporären Lebensräumen für Asylsuchende, die dann in leerstehende Gebäude implementiert wurden. Die zuvor im Home not Shelter!-Blog vorgestellte Möbelserie „Social Furniture“ des Designbüros EOOS ist einer dieser Beiträge, die sich auch in der „Orte für Menschen“-Zeitung nachlesen lassen können. Ebenso ist das derzeit laufende Home not Shelter!-Design Build Projekt in der Kempelenstraße in Wien Teil des österreichischen Beitrags.

Zum Nachlesen

 

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Teilen als „Zauberwort“ gegen die Wohnraumkrise im Vereinigten Königreich

England

Die Kuratoren des englischen Pavillons, Shumi Bose, Jack Self und Finn Williams interpretierten das Motto „Reporting from the Front“ als die Frage nach den großen sozialen Ungerechtigkeiten in ihrem Land und wie Architektur dem begegnen kann. Wie in vielen Ländern Europas ist auch im Vereinigten Königreich die Wohnungsnot drastisch. Diese wiederum fördert durch Ausbeutung und Verschuldung soziale Ungleichheit.

Die Architekten schlagen daher ein in Deutschland bereits weit verbreitetes Modell vor, das gemeinschaftliche oder clusterartige Wohnen in genossenschaftlichen Bauten. Ein gemeinsam von mehreren Familien genutzter Wohnraum, der an das Zuhause angrenzt, bietet zusätzlichen Platz für Interaktion und Kommunikation. Die Bewohner werden somit zu Nachbarn. In einem solchen in Originalgröße nachgebauten Raum können Besucher die Vorteile einer Wohnidee des Teilens direkt erfahren.

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Innenansicht des Deutschen Pavillons mit der Ausstellung „Germany, Arrival Country“

Deutschland

Der Deutsche Pavillon mit dem Titel „Making Heimat. Germany, Arrival Country“ befasst sich mit den Neuankömmlingen in Deutschland, Wohnungsbau, Inklusion und Gesellschaft. Inspiriert von dem Buch „Arrival Cities“ des Journalisten Doug Saunders, stellen die Kuratoren teils sehr kontroverse Thesen auf, die sich in der Aussage des deutschen Generalkommissars Schmal zusammenfassen lassen: „Deutschland ist ein Einwandererland“. Es werden neben Vorschlägen zur besseren Gestaltung Deutschlands als „Arrival Country“ auch bestehende Flüchtlingsunterkünfte analysiert und vorgestellt, sowie neue Wohnideen für Neuankömmlinge präsentiert.

Die Installation „Neubau“ der deutschen BeL Architekten, die Teil der Hauptausstellung ist, beschäftigt sich mit kostengünstigem, innerstädtischen Wohnungsbau in dichten, gemischten Siedlungen. BeL möchten die Ideen der Arrival City (oder des Arrival Country Germany) stärken, indem sie neue Ideen zu kostengünstigem Wohnraum für Zuwanderer anbieten. Wie bereits in ihrem Projekt „Grundbau und Siedler“ für die Internationale Bauausstellung IBA Hamburg 2013 schlagen sie den Bau eines Rohbaus vor, der eine mehrgeschossige Tragstruktur mit Versorgungskern bietet, und der dann von den Bewohnern im Eigenbau vollendet wird. Ultimativ soll so eine „City of Assembly“ entstehen, eine selbstgebaute Stadt, die Orte der Begegnung ermöglicht.

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Diese und andere Ideen der 15. Architekturbiennale sind gute und teils erfolgreich erprobte Ansätze, um die humanitären und gesellschaftlichen Probleme der Wohnraumknappheit aus architektonischer Sicht anzugehen. So kann, ganz im Sinne von Home not Shelter! ein Beitrag zur Milderung der Flüchtlingskrise geleistet und gleichzeitig die Frage „Wie wollen wir leben“ in all ihren Facetten ausgelotet werden.

 

 

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