NZZ: In Wien erproben Architekten innovative Modelle für Flüchtlingsheime

Ein Artikel der Neuen Züricher Zeitung vom 22. August 2017 befasst sich mit neuem Wohnen für Geflüchtete in Wien. Natürlich mit dabei: Das Projekt Traudi von Home not Shelter!

Die Autorin macht eine Ortsbegehung bei drei Wiener Flüchtlingsunterkünften, die trotz enger staatlicher Vorschriften alternatives – besseres – Wohnen als in sogenannten ‚Tempohomes‘ (Containersiedlungen) anbieten. Was alle diese Projekte gemein haben: durch die Umnutzung von Leerstand gelingt es, innerstädtisches Wohnen anzubieten. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Initiation im Rahmen des österreichischen Beitrags für die Architekturbiennale 2016: ‚Orte für Menschen‘.

Das Haus Erdberg (EOOS Design-Team), ein Notquartier in der Wiener Pfeiffergasse (Caramel Architekten) und das Haus Hawi, in dem Home not Shelter!-Studenten ihr Konzept vom Selbstbau des eigenen Zimmers für mehr Individualität und Verbundenheit mit dem Raum umgesetzt haben, werden in diesem Artikel ausführlich beschrieben und ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Unterkünften analysiert.

Die Autorin begrüßt, dass die aktuelle Krise als Chance verstanden wird, aktiv Quartiersentwicklung zu betreiben, anstatt am Stadtrand neue Problempunkte zu schaffen. Sie sieht das Konzept ‚Orte für Menschen‘ als zukunftsfähig, da es an leerstehendem Büroraum nicht mangele und sich die Situation im Laufe der Digitalisierung noch verschärfen könne.

Zum Artikel: hier

NZZ: Unterkünfte für Asylbewerber_ In Wien erproben Architekten innovative Modelle für Flüchtlingsheime

Veranstaltungsempfehlung: Re-tracing Home auf der Vienna Design Week

Die Veranstaltung Re-tracing Home lädt alle Interessierten ein, sich auf der Vienna Design Week (29.09.-08.10.2017) gemeinsam mit den Veranstaltern in Workshops Gedanken darüber zu machen, wie ein ideales Zuhause aussieht. Insbesondere Geflüchtete sind willkommen, ihre Vorstellungen einzubringen und zu diskutieren.

 

Die Anmeldung zu den verschiedenen Workshops erfolgt über Facebook:

GUIDED CITY WALKS WITH LOCAL NEWCOMERS

Wie sieht Wien durch Ihre Augen aus?
Stadtführungen ermöglichen uns Gemeinsamkeiten und Abweichungen von täglichen Aktivitäten, kulturellen Nutzungen von öffentlichem Raum und räumliche Wahrnehmungen unserer Umgebung zu verstehen. Neuankömmlinge aus lokalen “Flüchtlingsprojekten” werden die Diskussion über eine sich verändernde Nachbarschaft bereichern.

DRAWING HOME WORKSHOPS

Der kreative Zeichnen- und Schreib-Workshop wird Neuankömmlinge, SozialarbeiterInnen, DesignerInnen und VDW BesucherInnen zum Austausch über das alte, neue und ideale “Zuhause” zusammenbringen.

Es soll untersucht werden, inwieweit das Sprechen, Schreiben und Zeichnen mit unterschiedlichen Stimmen dazu beitragen kann den soziokulturellen und architektonischen Hintergrund der TeilnehmerInnen in den Gestaltungsprozess ihres „Zuhauses“ miteinzubeziehen

BUILDING HOME WORKSHOPS

Bau‘ dein “ideales Zuhause” mit uns! Basierend auf den Ergebnissen des Kreativworkshops werden wir zusammen eine Installation eines “idealen Zuhauses” gestalten und bauen. Wie möchten Sie leben?
Der “work in progress” Bau-Workshop soll TeilnehmerInnen ermöglichen eine ergebnisoffene Manifestation eines “Zuhauses” zu konzipieren, planen und realisieren. Die Gestaltung und Budgetierung wird durch den täglichen Austausch vor Ort entwickelt.

Leseempfehlung: Das Zusammenleben in der vielfältigen Stadt planen

Die Zeitschrift Informationen zur Raumentwicklung (IzR) des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumplanung beschäftigt sich im aktuellen Heft mit Geflüchteten, ihrem Ankommen und dem Zusammenleben mit der Bevölkerung.
Experten decken in diversen Beiträgen ein breites Themenfeld ab, das von Hintergründen zum Asylverfahren und einer soziologischen Untersuchung der Fremdenangst, über Vorschläge zu einer besseren gesetzlichen Umverteilung bis hin zur Integration in den Arbeits- und Wohnungsmarkt reicht.

Christian Jacobs, vom Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, verfasste für das IzR-Magazin einen Beitrag mit dem Titel Das Zusammenleben in der vielfältigen Stadt planen, in welchem er Integration aus stadtplanerischen Gesichtspunkten betrachtet.
Er beschreibt darin, wie sich die verstärkte Zuwanderung seit 2015 auf die Verwaltung und Planung auswirkte und wie die damals entstandenen Ergebnisse grundlegenden Zielen der Stadtentwicklung entgegenstehen.

Zuerst klärt der Autor, dass die Gesellschaft in Deutschland, insbesondere in den Städten, sehr vielfältig ist und diese Diversität als Chance und als schützenswertes Gut erkannt wird. Daher kümmert sich die Kommunalpolitik um ein gutes Zusammenleben, wobei in der integrationspolitischen Strategie seit einigen Jahren der Fokus darauf liegt, ‚Begegnung zu organisieren‘. Dies geschieht gezielt in prekären und segregierten Gebiete in Städten, in denen es eine hohe Konzentration benachteiligter Gruppierungen gibt.

Stadt- und Raumplaner sind sich über diese Gebiete bewusst und versuchen seit jeher, eine solche Segregation benachteiligter Bevölkerungsgruppen zu vermeiden oder abzuschwächen, um soziale Probleme zu verhindern. Seit 2015 jedoch ist zu beobachten, dass Städte wieder viele solcher Gebiete schaffen, die den planerischen Grundsätzen widersprechen.

Dies hängt mit den begrenzten finanziellen und personellen Kapazitäten der Verwaltungen zusammen und mit dem Zwang, die Neuankömmlinge möglichst schnell mit Wohnraum zu versorgen. Die Unterbringung in oftmals improvisierten, großen Unterkünften in städtischen Randlagen und Industrie- und Gewerbegebieten sorgt derzeit für eine starke Ausgrenzung der Geflüchteten aus der städtischen Gesellschaft. Dies verstärkt ohnehin vorhandene Ausgrenzungsprozesse, die mit dem Aufenthaltsstatus, den Sprachkenntnissen und der finanziellen Lage der Betroffenen zusammen hängen können.

Eine bessere Lösung wäre die dezentrale Unterbringung in Wohnungen. Diese können viele Kommunen allerdings nicht bewerkstelligen, da sie vermehrt einen direkten Einfluss auf den Wohnungsmarkt verloren haben. Der staatliche Wohnungsbestand wurde zu großen Teilen verkauft und die Wohnbauförderung stark eingeschränkt. Die Zahl der Sozialwohnungen sank in den vergangenen Jahren bedeutend.

Planerisch ist es nicht nur nötig, ein gutes Miteinander zu fördern. Chancengleichheit und Selbstbestimmtheit, auch auf dem Wohnungsmarkt, sind ebenso wichtig. Zwingt der Markt anerkannte Geflüchtete, weiterhin in Sammelunterkünften wohnen zu bleiben oder in strukturschwache Gebiete zu ziehen, führt das erneut zu Segregationsprozessen.

Mittlerweile kommt es zu einem Umdenken und zu Bestrebungen, großflächig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der Autor unterstreicht an dieser Stelle die Wichtigkeit der heute getroffenen Entscheidungen darüber, wie und wo in den Städten neue Wohnräume entstehen, da diese Faktoren die Verteilung von Bevölkerungsgruppen beeinflussen und dauerhaft die Möglichkeiten der Teilhabe am städtischen Leben mitbestimmen. Jacobs sieht daher die Politik in der Verantwortung, gezielt zu planen um aus der Handlungsohnmacht in Bezug auf Wohnraumverteilung zu entkommen.

 

IzR Heft 2/02
Mehr Informationen:
http://www.bbsr.bund.de

 

Ausschreibung des BAMF: Förderung von Integrationsprojekten

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) fördert Projekte zur gesellschaftlichen und sozialen Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern.

Bewerben können sich Organisationen und Einrichtungen, die in der Arbeit mit Zugewanderten auf überregionaler, regionaler oder lokaler Ebene tätig sind und in einer oder mehrerer der folgenden Handlungsfeldern agieren:

  • Begegnungsprojekte zwischen Menschen ohne und mit Flucht- oder Migrationserfahrung, insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen mit wenig Integrationsangeboten
  • Generationenübergreifendes Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund für die gesellschaftliche Teilhabe von Senioren
  • Niederschwellige Integrationsbegleitung von Flüchtlingen und Heranführung an die Regelberatungsstruktur nach positiver Asylentscheidung und
  • Förderung freiwilligen Engagements von jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu gesellschaftlichen und politischen Themen

Ziele der Projektförderung sind:

  • Stärkung der Kompetenzen von Zugewanderten,
  • gleichberechtigte Teilhabe von Zugewanderten am gesellschaftlichen und politischen Leben und
  • Verbesserung der wechselseitigen Akzeptanz (interkulturelle Öffnung) von Zugewanderten und Einheimischen.

Die Antragsfrist ist der 15. September 2017.

Detaillierte Informationen gibt es unter: www.bamf.de