Ein Sommerzelt voll Leben

UPDATE, 08.10.2020:
Gemeinsam mit 63 weiteren Projekten geht „Habibi-Dome“ ins Rennen um den Publikumspreis, der im Rahmen des Deutschen Nachbarschaftspreises 2020 vergeben wird. Der Preis wurde von der nebenan.de Stiftung ins Leben gerufen, um nachbarschaftliches Engagement auszuzeichnen.

Bis zum 20. Oktober kann abgestimmt werden: www.nachbarschaftspreis.de/publikumspreis

 

Die Idee

Am 4. – 5. August 2020 wurde die Idee eines Sommerzeltes  für die Bewohner*innen der Geflüchtetenunterkunft in der Burgholstraße in Stuttgart Realität. Mit den Initiator*innen des Habibi Domes, einem Team des werkraumes, mit Unterstützung von Home not Shelter! und natürlich vielen Projektbeteiligten vor Ort konnte das Zelt, welches basierend auf Buckminster Fullers Geodesic Dome entstanden ist, aufgebaut werden um den Sommer für die Bewohner*innen aber auch die Nachbarschaft zu gestalten.

Der Grundgedanke des Projektes ist es, einen zu Ort schaffen, welcher einen Mehrwert für die Bewohner*innen der Geflüchtetenunterkunft bietet und Teilhabe ermöglicht – zusammen mit Akteur*innen aus dem Stuttgarter Stadtteil Hallschlag. Mit ihren Ideen und Angeboten machen sie alle zusammen das Sommerzelt lebendig und zum Ort der Begegung.

Die Idee für das Projekt entstand im Rahmen der Arbeitsgruppe „Situation Kinder und Jugendliche aus der Geflüchtetenunterkunft Burgholzstraße“ (2019 von der Malteser Hilfsdienst gGmbH und der Bezirksvorsteherin von Stuttgart Münster ins Leben gerufen), um Ideen für die in der Burgholzstraße lebenden Kinder und Jugendlichen zu entwickeln und den Austausch zwischen der Geflüchtetenunterkunft und dem Stadtteil zu stärken.

Gerade jetzt, zur Corona-Zeit, zu der strenge Hygiene- und Raumnutzungskonzepte gelten, entstand die Vision eines Ortes unter freiem Himmel und in direkter Nähe zur Unterkunft, um den jungen Menschen Austausch, Lernen und Begegnungen zu ermöglichen.

Beteiligte
Die modulare Struktur des Sommerzeltes wurde schon an mehreren Orten unter dem Namen „Habibi Dome“ aufgestellt. Die beiden Initiator*innen Franziska Wirtensohn und Michael Wittmann waren auch in Stuttgart vor Ort und haben beim Aufbau mitgewirkt. Der Habibi Dome wurde im Rahmen dieses Projektes dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Adaptiert und ergänzt wurde dieser in Zusammenarbeit mit dem Team des werkraums, einer Holzwerkstatt für Geflüchtete der Hans Sauer Stiftung.

Bis voraussichtlich Ende Oktober 2020 wird das Sommerzelt von BMX IG des VfR Cannstatt, dem Abenteurerspielplatz Mauga Nescht, dem Aktivspielplatz Dracheninsel e.V., der Mobilen Jugendarbeit, der Hilfen zur Erziehung, sowie dem NETZ Hallschlag genutzt und mit einem attraktiven Angebot lebendig gestaltet – und das findet bereits großen Anklang bei den jungen Bewohner*innen. Aber nicht nur bei ihnen, denn das Sommerzelt ist für den Deutschen Nachbarschaftspreis der nebenan.de Stiftung nominiert!

Die Ausarbeitung, Umsetzung und Koordination des Projektes wurde federführend von Mitarbeitenden der Initiative Home not Shelter! der Hans Sauer Stiftung und des Jugendmigrationsdienstes im Quartier (AWO Stuttgart) übernommen. Mehr Informationen und Ansprechpartner*innen findet man auf der Website.

Unterstützt wurden diese durch viele Projektpartner*innen, inbesondere der Bildungsregion Stuttgart, den Hilfen zur Erziehung (eva Stuttgart), der BMX IG des VfR Cannstatt sowie der Malteser Hilfsdienst gGmbH.

 

Hans Sauer Award 2020 – Designing Circularity in the Built Environment

Der Hans Sauer Award 2020 widmet sich in diesem Jahr dem Thema der Zirkularität in der gebauten Umwelt. Unter dem Titel „Designing Circularity in the Built Environment – A German-Dutch Competition“ schreibt die Hans Sauer Stiftung gemeinsam mit der niederländischen Stiftung Circulair Bouwen und dem niederländischen Konsulat einen Wettbewerb aus.

Mit der gebauten Umwelt, sind menschengemachte Umgebungen gemeint. Die gebaute Umwelt bildet u.a. den Rahmen für Gesellschaft – von Gebäuden bis hin zu Nachbarschaften und Städten selbst. Über innovative Gestaltung können neue räumliche und soziale Formen des Zusammenlebens Integration befördern und gesellschaftliche Transformation ermöglichen. Das Thema der Zirkularität beschränkt sich dabei also nicht auf die Kreislaufführung von Stoffen und Produkten, sondern verweist auch auf den notwendigen Übergang zu kreislauforientierten Denk- und Handlungsweisen, die Circular Society. Schon im vergangenen Jahr beschäftigte sich die Stiftung mit dem Thema der „Circular Society“ und zeichnete acht Preisträger*innen im Rahmen des Hans Sauer Preis 2019 „Designing Circular Society – In Kreisläufen denken“ aus.

Aktuell ist es die Baubranche, die den größten Teil unserer Ressourcen verbraucht. Die Niederlande haben schon oft bewiesen, dass sie bereits nachhaltige Antworten auf die größte Herausforderung der Branche gefunden haben – ein länderübergreifender Wettbewerb soll Wissenstransfer und Austausch fördern und Raum für Innovation schaffen.
Der Preis zeichnet jeweils ein deutsches und ein niederländisches Projekt in drei Kategorien aus: Best Practice | Design, Tools | Materials | Methods und Knowledge Transfer | Education. Ein Preisgeld von insgesamt 20.000 Euro wird von einer Fachjury vergeben und verteilt. Zudem ist ein länderübergreifendes Austauschprogramm der Preisträger*innen in Planung. Die Wettbewerbssprache ist englisch.

Die Preisverleihung findet am 11. März 2020 während der Munich Creative Business Week im Oskar von Miller Forum statt.

Die Hans Sauer Stiftung freut sich über Unterstützung bei der Verbreitung der Ausschreibung. Flyer sowie Poster aber auch digitale Materialen stellen sie gerne zur Verfügung. Dafür und auch für offene Fragen wenden Sie sich bitte an Barbara Lersch / b.lersch@hanssauerstiftung.de

Mehr Informationen zur Ausschreibung und den Formalien, gibt es hier.

Nachhaltig planen und bauen – Auslobung Summerschool-Wettbewerb 2020

Die Sto-Stiftung lobt den Summerschool-Wettbewerb 2020 für studentische Selbstbauprojekte aus. Im Fokus stehen nachhaltige und energetisch sinnvolle Bauweisen sowie soziale und kulturelle Aspekte weltweiter Projekte.

Bauen ist ein Prozess, der sich je nach Ort und Umgebung maßgeblich unterscheidet – dabei spielen ganz unterschiedliche kulturelle, soziale und energetische Belange eine große Rolle. Seit 2010 fördert die gemeinnützige Sto-Stiftung Architekt*innen im Rahmen von internationalen Summerschools und unterstützt dabei studentische Selbstbauprojekte auf der ganzen Welt. Auch 2020 wird der Wettbewerb erneut ausgeschrieben und fördert damit nachhaltige Bauweisen und weltoffene Perspektiven aufs Bauen. Der Wettbewerb richtet sich an Studierende für Architektur an deutschen und europäischen Universitäten und Fachhochschulen. Die Themenauswahl ist dabei den Bewerber*innen überlassen. Im Fokus stehen nachhaltige und energetisch sinnvolle Bauweisen sowie soziale und kulturelle Aspekte weltweiter Projekte. Eine Fördersumme von 150.000 Euro für Projekte mit internationaler studentischer Beteiligung steht bereit. Die bewilligte Förderung kann bereits im kommenden Frühjahr abgerufen werden.

Interessenten können sich ab sofort bis zum 31. Januar 2020 bewerben, zweisprachige Antragsformulare finden sich auf der Website der Sto-Stiftung. Im ersten Quartal 2020 ernennt eine Expertenjury die Gewinner*innen.

In den letzten Jahren wurden Konzepte wie der Neubau eines Kindergartens in einem Township östlich von Kapstadt in Südafrika, die Fertigstellung eines Zentrums für Kultur- und Ökologie in Santa Catarina Quiané in Mexiko oder die Restaurierung eines „Dorfladens+“ im strukturschwachen Brandenburg gefördert. Unter diesem Link können Projekte früherer Summerschools aufgerufen werden.

In einem südafrikanischen Township nahe Kapstadt haben Studentinnen der Universität Stuttgart zusammen mit Einheimischen den Neubau des „Lekkerbekies“ Kindergartens realisiert. Foto: Sto-Stiftung / Tamara Speil

 

Für Studierende und Lehrende, die bereits Summerschools mit Selbstbauprojekten planen, steht mit dem Buch „on going – Studierende bauen für die Gemeinschaft“ ein Leitfaden bereit. Vorgestellt werden hier unter anderem die von der Hans Sauer Stiftung unterstützten Initiativen Traudi, Gemeinschaftshaus Spinelli und Kitchen on the Run. Das Antragsformular zur Projektförderung sowie das Buch „on going“ sind als PDF-Download abrufbar.

 

Beitragsbild: Sto-Stiftung / Claudius Pflug

INTERVENTION: WELCOME LAB // SUMMERSCHOOL CO-CREATING HOME

Im Rahmen des Home not Shelter! Netzwerks fand vom 2.-17. August 2019 eine Summerschool in der Multihalle in Mannheim statt. Mit der Summerschool sollte ein interdisziplinäres Bau-Laboratorium entstehen, in dem experimentelle Interventionen gemeinsam errichtet werden und das Denken in Modellen innerhalb kollektiver Prozesse geschult wird. Damit knüpfte die Summerschool, die hierfür eine Plattform bot, unmittelbar an das architektonische und gesellschaftliche Werk Frei Ottos an, Architekt der Multihalle und Architekturtheoretiker. Innerhalb dieses partizipativen Projekts wurden unterschiedliche Kooperationsformen und Handlungsstrategien getestet. Das Projekt berührt allgemeine Fragestellungen einer offenen Gesellschaft und fragt nach den Möglichkeiten transitorischen Wohnens.

 

Auftaktworkshop „welcome lab“
In enger Absprache mit Tatjana Dürr, Referentin für Baukultur der Stadt Mannheim und Ralf Pasel von der TU Berlin wurde das „welcome lab“, ein Format experimenteller Stadtforschung, als Auftakt geplant und durchgeführt. Die 70 internationalen Studierenden sollten an diesem Tag mehr über die Stadt Mannheim bzw. die Nachbarschaft der Multihalle erfahren, ihr Methodenwissen vertiefen und sich untereinander besser kennenlernen.

Am Vormittag wurden alle Teilnehmer*innen mit einem Fragebogen in die anliegenden Stadtviertel geschickt. Im Anschluss wurden die Forschungsergebnisse bzw. Beobachtungen auf einen großen Stadtplan mit Hilfe von Lego, Knetmasse und weiteren Materialien übertragen. So entstand eine Karte der sozialräumlichen Strukturen rund um die Multihalle, die als Basis für die folgende Planungs- und Entwurfsphase dienen soll.

Am Nachmittag konnten alle Studierenden zwei Workshops wählen, die von sechs Expertenteams sowohl zu Stadtentwicklungsthemen der Stadt Mannheim als auch zu Methoden gehalten wurden. Mit dabei waren Leonie Trefs und Manfred Oster von der Hochschule Mannheim mit sechs Studierenden, Sonja Hörster vom Institut für partizipatives Gestalten, Matthias Rauch und Jens Weisener von der Stadt Mannheim, Daniel Kerber von More than Shelters und dem social design lab, Karsten Drohsel von in/stabil und die Künstlerin Romana Rokvic.

 

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Ein nachhaltiger guter Design- oder vielmehr Kreativprozess beinhaltet eine ausführliche Recherchephase. Bei der Lösung von (gesellschaftlichen) Herausforderungen liegt eine große Fehlerquelle oft darin, die falsche Problemstellung zu bearbeiten, anstatt eine Lösung für die richtige Fragestellung zu finden. Aus diesem Grund ist es wichtig, einer Entwurfs- oder Planungsphase eine ausführliche Recherchephase voranzustellen, in der das Augenmerk auf das Erarbeiten der richtigen Fragestellung geworfen wird. Im besten Fall nimmt die Recherchephase die Hälfte der Projektlaufzeit ein. Im Falle der Mannheimer Summerschool war auf Grund der aufwendigen Bauaufgabe nicht mehr Zeit für eine ausgedehntere Recherchephase. Das welcome lab sollte deshalb sowohl die Studierenden untereinander vernetzen, ihnen die Umgebung näherbringen als auch Wissen über Mannheim vermitteln. Zudem wurden während des Tages als auch in den Expertenvorträgen über verschiedene Methoden gesprochen und diese vermittelt.

Das welcome lab ist als eine Intervention des social design labs zu verstehen. Mit diesen Interventionen soll die Methodik des labs getestet und in die Breite getragen werden. Das Vorgehen im Kontext der Summerschool soll aufzeigen, wie wichtig eine Recherchephase im Innovationsprozess ist und wie vergleichsweise einfach man zu einem „Mapping des Sozialraums“ kommen kann.

 

Die Ergebnisse nach zwei Wochen Arbeit lassen sich sehen…

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Das Video zur Summerschool 2019:

 

Bilder u.a. Henning Scherf