Aufbruch aus der Zwischenstadt

Die Stärken und Schwächen der Baustruktur unserer Städte zeigen sich nicht zuletzt in ihrem Umgang mit dem Thema der Migration. Vor dem Hintergrund des Notstands, der Verdrängungsprozesse und der Überforderung, die derzeit auf den Innenstädten lastet, bricht dieser Band mit der Logik, Nutzungen stets nebeneinander zu organisieren, und versammelt Argumente für eine Qualifizierung des suburbanen Raums. Die Beiträge gehen den sozialen und ökologischen Lebensbedingungen einer Stadtgesellschaft in den sogenannten »Zwischenstädten« nach und loten die Bedingungen einer nachhaltigen und mannigfaltigen Stadtentwicklung aus (transcript).

Patchwork statt Synergie                  

Seine einführenden Worte richtet der Herausgeber Klaus Schäfer an die Zwischenstadt und an die zunehmenden Barrieren zwischen den sogenannten „Orten“ und „Nicht-Orten“, die diese nicht nur trennen, sondern stigmatisieren.

Die Planung habe sich laut Schäfer daran gewöhnt, sukzessiv Funktionen zu verorten, so wie sie gerade von der Politik gefordert werden und sie entwickele fortlaufend Strategien, diese Funktionen voneinander abzugrenzen. Daraus sei ein Patchwork entstanden, worin wir zwar alle städtischen Funktionen wiederfinden, doch so angeordnet, dass sich keine urbane Synergie einstellt: Nicht resilient, nicht nachhaltig, nicht variabel, Flächeneinheiten in den Kategorien von Investitionsplanungen.

Urbanisierung durch Migration und Nutzungsmischung

Der Titel des Werks deutet darauf hin: „Aufbruch aus der Zwischenstadt“ versteht sich als ein Plädoyer zur Revision der gegenwärtigen Stadtentwicklung. Es gelte, die Art und Weise des andauernden Stadtwachstums im Sinne eines fortschreitenden Flächenverbrauchs und die Organisation in einem Nebeneinander der Nutzungen zu überwinden. „Aufbruch“, so erklärt Schäfer, bedeutet sich über einen Zustand hinwegzusetzen, sich von dem lähmenden Pragmatismus zu lösen, der einer Organisation der städtischen Gesellschaft schon lange entgegenstehe.

Migration sei längst Teil dieser „Zwischenstadt“. Die zukünftige Stadtentwicklung losgelöst vom Thema Migration zu betrachten sei undenkbar.

Eindrücklich zeigt das Werk, wie sehr das Thema Migration auch Beispiele für eine positive Wandlungsfähigkeit und intakte soziale Mechanismen liefert, zur Veränderung, Aneignung und Transformation von bestehenden Stadtstrukturen. Demgegenüber stehen die Beispiele des Scheiterns, einer verfehlten Stadtentwicklung – ein Scheitern, das letztendlich die gesamte Stadtgesellschaft betrifft.

Die Beiträge des Sammelbandes gehen Fragen der Grundpositionen einer zukünftigen Stadtentwicklung nach, beschäftigen sich mit dem Umgang der Migration in bestehenden Stadtquartieren und verweisen auf die drängendsten gesellschaftlichen Fragen, die sich aus eindimensionalen Nutzungsfunktionen im Zusammenhang mit dem Thema Migration ergeben.

Ferner werden Ansätze und Projekte vorgestellt, die auf städtebauliche Möglichkeiten zur Verbesserung gelingender Integration und zur Überwindung gesellschaftlicher Hürden verweisen. Gezeigt werden vorbildliche Projekte kommunaler Zuwanderungspolitik wie die der „Arrival City“ Offenbach und der Stadt Bremen, die die Menschen – die Geflüchteten – in den Vordergrund stellen und daraus eine Wachstumsstrategie für die ganze Stadt entwickeln.

Weitere Beiträge vertiefen mögliche zukünftige Nutzungsspektren der Städte durch Nutzungsmischung, wie zum Beispiel vielseitige städtische Produktion.

Der von der Hans Sauer Stiftung geförderte Sammelband „Aufbruch aus der Zwischenstadt. Urbanisierung durch Migration und Nutzungsmischung“ erscheint voraussichtlich bis zum 27. September 2018 bei transcript. Zur Vorbestellung geht es hier.

 

 

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