Buchempfehlung: Bezahlbar. Gut. Wohnen.

Wohnen ist ein Grundbedürfnis, das immer noch für viele Menschen in allen Regionen der Welt nicht oder nur unzureichend gedeckt wird. Architektur und Städtebau können einen entscheidenden Beitrag leisten, neue Lösungsansätze zu finden, um das Angebot von Wohnraum für alle sicherzustellen.

In der neu erschienenen Publikation Bezahlbar. Gut. Wohnen. von Klaus Dömer, Hans Drexler und Joachim Schultz-Granberg, werden Strategien für günstigen Wohnungsbau, best practice Beispiele und eine genaue Analyse der Muster bezahlbaren Wohnens aufgezeigt.

Unter den Beispielen werden das Hotel MagDas von AllesWirdGut Architekten und andere soziale Bauprojekte vorgestellt, die kostengünstiges Design, soziale Integration und hohe architektonische Qualität vereinen.

Das Buch ist im jovis Verlag erschienen und hier erhältlich. Wir wünschen viel Vergnügen bei der Lektüre.

Bezahlbar. Gut. Wohnen.

Bezahlbar. Gut. Wohnen.   
Klaus Dömer, Hans Drexler und Joachim Schultz-Granberg

 

Die Home not Shelter! Summerschool mit der TU Berlin

Unsere Baustelle in der Wiener Kempelengasse bekam Besuch von Studierenden der TU Berlin im Rahmen der Home not Shelter!-Summerschool. Ihr Professor Ralf Pasel und sein Mitarbeiter Max Hacke beschreiben, wie sie sich auf die spannenden Tage vorbereiteten, was vor Ort geschafft wurde und was sie sich für das HAWI-Haus wünschen:

Während sich die Studenten der TU Wien dem Umbau der Büroräume zu bewohnbaren Zimmern widmeten, engagierte sich die TU Berlin mit der Gestaltung und Umsetzung der Gemeinschaftsräume. Die Aufgabe bestand darin, das Innere des monotonen 80er Jahre Bürobau, dem ehemaligen Siemens Hauptquartier Österreich, mit innovativen Nutzungskonzepten und gestalterischen Mitteln bewohnbar und vor allem wohnlich zu machen. Der Name der Initiative ‘Home not Shelter!’ war nicht nur These, sondern Aufgabenstellung zugleich, die zentrale Frage dabei: mit welchen Mitteln und Arbeitsweisen kann man das Bestandsgebäude so aufwerten, dass nicht nur reine Unterkünfte für Geflüchtete und Studenten entstehen, sondern ein Zuhause entsteht als Ort des Ankommens und des Wohlfühlens?

In einem vorbereitenden Intensiv-Design-Workshop in Berlin, entstanden in Zusammenarbeit mit der Veldakademie Rotterdam eine Vielfalt experimenteller Nutzungs- und Gestaltungskonzepte für die Gemeinschaftsräume. Entwickelt wurden Projekte für ein Theater, eine Werkstatt, eine Sitz- und Liegelandschaft, Spiel- und Leseräume. Die Ergebnisse wurden diskutiert, skizziert und modelliert bevor sie durch 10 Studierende der TU Berlin unter der Leitung von Prof. Ralf Pasel und Max Hacke vor Ort in Wien in die Realität umgesetzt wurden. In partizipatorischer Arbeitsweise und unter Einbindung der zukünftigen Bewohner entstanden bis Anfang Oktober neue gemeinschaftliche Wohn-, Arbeits- und Aufenthaltsräume.

img_Im größten aller Gemeinschaftsräume, entstand ein ’Supermöbel’ – eine raumgreifende Holzkonstruktion, die den Bewohnern eine Fülle an Aktivitäten und Möglichkeiten bietet. Das Supermöbel ist ein 10 Meter langer Tisch zum Arbeiten, Unterrichten und Werken. Umgeben von Fenstern hat der Tisch optimale Tageslichtbedingungen und bietet daher hochqualitative individuelle Arbeitsplätze einerseits, und die Möglichkeit für gemeinsame Essen und Veranstaltungen an einer langen Tafel andererseits. Der Tisch weitet sich in den Raum hinein und stuft sich in Richtung der Flure zu einer reichlich genutzten Sitztribüne ab. Besonders abends kann dieser Bereich für gemeinsame Veranstaltungen, wie beispielsweise Filmabende, genutzt werden. Eine herausziehbare Leinwand bietet die Möglichkeit in großen Gruppen Kinoabende zu organisieren. Im hinteren Bereich des Supermöbels ist die Funktionalität um eine Regalwand und eine gemütliche Sitz-Nische erweitert.

Weitere gestaltete Gemeinschaftsräume sind die Ankommensbereiche um die Lifte im img_8550-1-bearb4. und 5. OG. Die vorhandenen Räumlichkeiten sind zwar baugleich, unterscheiden sich allerdings durch ihre Lage innerhalb des Gebäudes maßgeblich. In beiden Räumen entstanden Aufenthaltsbereiche mit vielseitigen Sitz- und Liegelandschaften, die das Ankommen und das Sich-wohl-fühlen befördern. Während sich das eine Konzept mit einer sehr ökonomischen Verarbeitung der vorhandenen Bodenplatten zu einer abgetreppten Sitzlandschaft auseinandersetzte, überzeugte das andere Konzept durch den Bau einer lounge-artigen Liegelandschaft, einem Hotspot der einlädt im Internet mit der alten Heimat zu kommunizieren.

Die Besonderheit des Projektes liegt nicht nur in der architektonischen Gestaltung, sondern auch im Entstehungs- und Bauprozess selbst. Es wurde hier nicht nur gemeinsam gebaut, sondern zusammen gelebt! Da ein Teil der Bewohner bereits eingezogen war und die fertiggestellten Zimmer auch die Unterkunft der Berliner Architekturstudenten war, wohnte man bereits während der Bauphase zusammen, lernte man sich kennen, kochte gemeinsam, gab Hilfestellungen bei den Deutsch Hausaufgaben und wurde im Gegenzug in Arabisch und Farsi unterrichtet.

Rückblickend lässt sich sagen, dass sich einerseits ein großer Mehrwert durch die gestalterischen und baulichen Prozesses ergeben hat und dass andererseits auf ökonomischste Weise sowohl hochwertige Architektur, als auch sozial-integrative Prozesse entstanden sind, die eine wichtige Alternative darstellen zu den ansonsten üblichen Ankunftsorten und Ankunftssituationen. Hervorzuheben ist, dass der integrative Mehrwert durch das gemeinschaftliche Wohnen und Beisammensein enorm gestützt wird. Dass Studierende und junge Geflüchtete gemeinsam wohnen, bauen und arbeiten, macht hinsichtlich der sozialen Integration aller Beteiligten Sinn und macht vor allem auch bezüglich dem Schaffen eines Zuhauses einen erheblichen Unterschied in der Identifikation mit einem Ort. So gesehen ist das Projekt schon durch diesen Mehrwert ein voller Erfolg und eine Bereicherung sowohl für die Architekturstudenten als auch Bewohner des Hauses.

 

Text: Ralf Pasel, Max Hacke

Neues von Traudi

Bei Home not Shelter! entstehen nicht nur Architekturentwürfe mit neuen Ideen zum Wohnen für Geflüchtete, es wird auch selbst gebaut. Von diesem Design Build-Projekt gibt es neue Bilder und Nachrichten:

In einem Haus in Wien entsteht Traudi, ein System, bei dem Geflüchtete mit Studierenden bequem und unkonventionell zusammen wohnen. Der Clou: das Zimmer wird selbst zusammengebaut, wodurch Gemeinschaft und Identität entstehen.

Viele Zimmer sind bereits fertig und bezogen, an anderen wird weiter gebaut. Von Architekturstudierenden der TU Wien und anderer Home not Shelter!-Universitäten, sowie von den neuen Bewohnern der Zimmer.

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Seit vielen Wochen bereits helfen die Studenten beim Aufbau des Traudi-Systems, bei der Individualisierung der Zimmer und in der hauseigenen Werkstatt. Gemeinsam wurden auch Möbel bemalt und sich untereinander bei gemeinsamen Kaffee ausgetauscht.

Bilder und Videos vom Bauprozess und von den Pausen stellt das Traudi-Team auf ihre liebevoll gestaltete Facebook-Seite. Dort erfährt man direkt und auf humorvolle, wie persönliche Weise, wie es den Studierenden dabei geht, einmal aus der Universität herauszukommen und selbst Hand anzulegen.

Gemeinsam arbeiten und gemeinsam wohnen bringt die Menschen zusammen – das ist das Konzept von Home not Shelter!
Und da das Gebäude noch nicht voll bezogen ist, werden sich in der Kempelengasse in Wien noch viele Menschen begegnen können.

 

Antrittsvorlesung Alexander Hagner an der FH Kärnten mit Buchvorstellung Home not Shelter!

Am gestrigen Dienstag, den 4. Oktober 2016, begann Home not Shelter!-Teammitglied Alexander Hagner (TU Wien) seine neue Stiftungsprofessur für Soziales Bauen an der FH Kärnten mit einer Antrittsvorlesung.

Der Titel des Abends und der Ausstellung an der FH Kärtnen, die damit eröffnet wurde, lautet Randerscheinung – realisierungsrelevante Semesterarbeiten für benachteiligte Menschen. Hagner berichtete über prägende Stationen seiner Biografie, stellte Bauprojekte aus  der Vergangenheit wie z.B. die VinziRast vor und sprach über bisherigen Lehrinhalte um einen Ausblick auf seine zukünftige Arbeit möglich zu machen. Er wurde dabei nicht müde zu betonen, dass es wichtig ist, nicht nur zur sprechen sondern vor allem zu handeln. „Architecture is not about design, its about people!“ war eines seiner zentralen Credos. Seine Studierenden können sich nach diesem Ausblick auf ein spannendes Semester mit ihm freuen.

Zudem war die Hans Sauer Stiftung vor Ort und  präsentierte das kürzlich erschienenen Buch Home not Shelter! Gemeinsam leben statt getrennt wohnen (Hg. Ralf Pasel, Alexander Hagner, Hans Drexler, Ralph Boch, jovis Verlag 2016).

 

 

Die Ausstellung welche im Innenhof der FH in Spittal zu sehen ist, zeigt einige Projekte mit denen sich Hagner und seine Studierenden in den letzten Jahren beschäftigt haben: Parasitic > > Symbiotic zeigt Arbeiten, die sich mit der Erschließung des öffentlichen Raum für benachteiligte Menschen auseinandersetzt, es werden Auszüge aus der Home Not Shelter!-Publikation gezeigt und auch Traudi, die erste Umsetzung aus der Home Not Shelter!-Initiative kommt hier zur Aufführung. Zu diesem besonderen Anlass waren auch die fleißigen Traudi-Mitarbeiter vor Ort, die zur Freude ihres ehemaligen Dozenten die Baustelle in Wien für eine Nacht verlassen haben.

Die Ausstellung ist weiterhin zu sehen und hat folgende Öffnungszeiten:
05.10. – 19.10 / 25.10.- 24.11. / Mo. – Fr. 9.00 – 19.00
in der Villacherstraße 1 / 9800 Spittal an der Drau