Endpräsentation Entwurf: Ausblick auf eine Architektur der Gastfreundschaft

ArchitekturstudentInnen der TU Wien präsentierten am 29. Juni 2017 ihre Enwtwürfe zum diesjährigen Fluchtraum Österreich-Entwerfen „Ausblick auf eine Architektur der Gastfreundschaft – Entwerfen von selbstbestimmten Formen des Ankommens“. Ort der Präsentation und Gegenstand der Entwurfsanalyse war die Asylwerberunterkunft Haus Favorita in Wien.

Towards an Architecture of Hospitality sucht neue Gebäudetypologien, die selbstbestimmte Wohnformen und ein Ankommen ermöglichen.

 

 

Entworfen wurden ‚reale Utopien‘, die fünf ausgewählte Hotelstandorten in Österreich zum einen zu Möglichkeitsräumen für uneingeschränkte Gastfreundschaft umwandeln und zum anderen an diesen Orten hohe architektonische Qualitäten schaffen.

Die Entwürfe werden Teil einer Publikation die als Forderungskatalog konkrete räumliche Leitlinien für ein Wohnen auf der Flucht einfordert. Das Entwerfen ist Teil des Projekts Fluchtraum Österreich und der MORE Initiative.

Weitere Wohnideen für Geflohene: From Border to Home

Nach einem 2015 ausgeschriebenen Wettbewerb zu temporären Wohnformen für Geflohene stellte der finnische Pavillon auf der Biennale 2016 in Venedig die Gewinner und vier weitere interessante Ideen vor. Archdaily gibt einen Überblick über die Entwürfe. Zentral scheint die Nutzung bestehender Gebäude sowie der Aspekt der Vernetzung.

Die Gewinner Society Lab aus Italien (Cecilia Danieli, Omri Revesz, Mariana Riobom) schlagen vor, Besitzer_innen von leerstehenden Häusern mit Asylsuchenden schon vor deren Ankunft über eine Datenbank zu vernetzen und so die zahlreichen leerstehenden Häuser in Helsinki als Unterkünfte zu nutzen.

Society Lab ermöglicht mit der Nutzung von Leerstand die Integration Geflohener in bestehende Nachbarschaften und vermeidet unnötigen Neubauten (Quelle: archdaily.com)

Die deutschen Gewinner Enter the Void (Duy An Tran, Lukas Beer, Ksenija Zdesar, Otto Beer) schlagen eine stufenweise Nutzung leerstehender Bürogebäude vor. Diese könnten zunächst als Notunterkünfte genutzt werden und dann schrittweise zu öffentlichen Orten wie Bildungszentren in den unteren Stockwerken und privaten Wohnungen in den oberen Stockwerken umgebaut werden.

Die schrittweise Umgestaltung von Bürogebäuden zu einer Mischung aus privatem und öffentlichem Raum ermöglicht den Austausch der Bewohner_innen mit dem sozialen Umfeld (Quelle: archdaily.com)

Enter the Void erinnert an den Home not Shelter! -Beitrag „LEERSTAND GESUCHT“, der ebenfalls auf die Umnutzung bestehender Bürogebäude zu Wohnhäusern abzielt. Mit der Idee des Eigenbaus soll dabei zudem individueller Gestaltungsfreiraum geschaffen werden. Als erstes Home not Shelter! – Projekt wurde das Hawi in Wien in einem ehemaligen Bürogebäude realisiert und wird bereits von jungen Geflüchteten und Studierenden bewohnt.

Als dritter Gewinner wird der finnische Entwurf We House Refugees (Milja Lindberg und Christopher Erdman) vorgestellt. Vernetzung und Einbettung sollen hier durch flexible und staatlich subventionierte „Donor Apartments“ ermöglicht werden, die bei Bedarf in zwei – unabhängige aber verbundene – Apartments umgewandelt werden können und so einen Lebensraum für Geflohene bieten. Während das Apartment nicht benötigt wird, kann es als Teil der übrigen Wohnung genutzt werden.

Die „Donor Apartments“ ermöglichen eine flexible Nutzung – in Zeiten des Bedarfs werden sie zu einem Wohnraum für Geflohene, ansonsten stehen sie den Mietern frei zur Verfügung (Quelle: archdaily.com)

Die drei Gewinner legen damit spannende Ansätze vor, die es vermögen, über eine Unterbringung hinaus Vernetzung und die Einbettung in Nachbarschaften zu ermöglichen.

Buchempfehlung: Zukunft Wohnen

Das Buch Zukunft Wohnen – Migration als Impuls für die kooperative Stadt erscheint im Februar 2017 im jovis Verlag als Fortsetzung des erfolgreichen Buches Refugees Welcome – Konzepte für eine menschenwürdige Architektur. Herausgeber sind unter anderem Jörg Friedrich und Simon Takasaki aus dem Home not Shelter!-Team.

Zukunft Wohnen sammelt architektonische Konzepte und Projekte, die der Frage nach gutem Wohnen für Flüchtlinge und dessen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nachgehen. Es geht um Wohnlösungen, die nicht temporäre, segregierende Fremdkörper in der Stadt oder auf dem Land sind, sondern um Ideen, die Impulse schaffen für eine ‚kooperative Stadt‘, in der Integration und Kollaboration maßgeblich sind.

Viele Entwürfe von Architekturstudierenden, die an Home not Shelter! teilnahmen, haben es auch ins Buch geschafft. Ebenso zahlreiche Partner, die mit neuen Einflüssen in der Architektur eine bessere Unterbringung für Geflüchtete erreichen möchten.

So ist ein inspirierender Ideenkatalog entstanden, dessen Umsetzung nun an engagierten Bürgern, Investoren und Politikern liegt. Dass dies möglich ist, zeigen bereits viele verwirklichte Projekte, wie das Grandhotel Cosmopolis oder das Home not Shelter!-Projekt Traudi in Wien.

Einen Blick ins Buch und die Möglichkeit zur Bestellung gibt es auf der Internetseite des jovis Verlags.

Zukunft: Wohnen
Migration als Impuls für die kooperative Stadt

 

 

Neues vom Design Build Projekt der TU Kaiserslautern (Spinelli Barracks)

Wie bereits berichtet bemühen sich auch Architekturstudenten der TU Kaiserslautern um die Verbesserung der Unterbringungsbedingungen von Asylsuchenden mithilfe von Architektur. In einer Erstaufnahmeeinrichtung in Mannheim gestalten und bauen sie gemeinsam mit den Bewohnern ein Gemeinschaftshaus in den Außenbereichen.

 

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Bodenaushub an den Spinelli Barracks

 

Seit dem letzten Beitrag hat sich einiges getan. Die Entwurfsarbeit ist abgeschlossen und seit Mitte August wird gebaut. Während dieser Zeit leben und wohnen die Studenten gemeinsam mit den Geflüchteten in der Asylunterkunft Spinelli Barracks, sodass das Zusammenarbeiten auf der Baustelle durch ein Zusammenleben ergänzt wird.

Als erster Bauschritt nach dem Abtragen des Oberbodens werden Fundamente geschalt und die Holzwände errichtet. Über alles Neue, das während des Design Build Projekts geschieht, wird ausführlich auf dem Blog des Projekts design-build.space berichtet.

Dem Bau ging ein ganzes Semester Entwurfsvorbereitung voraus, wobei Studierende zunächst an eigenen Designs arbeiteten, aus denen fünf zur vertieften Bearbeitung in Gruppen ausgewählt wurden. Alle Entwürfe vereint die günstige und ökologische Holzarchitektur, sowie eine gute Aufenthaltsqualität und ein guter Identifikationswert. In einer abschließenden Jurysitzung wurde der auszuführende Entwurf bestimmt.

 


Der ausgewählte Entwurf von Sandra Gressung, Sascha Ritschel und Tobias Vogel mit seinen orientalischen Ornamenten ist ein länglicher Bungalow mit einem offenen Rasenplatz im Süden und einem geschützten, dreiseitig umschlossenen Veranstaltungsplatz, sowie einen geschützten Hof im Norden.

Die Außenräume gehen fließend in den Innenraum über. Ein Gemeinschaftsraum im Innern ist zu dem U-Hof hin orientiert, sodass er als Bühne für Veranstaltungen dienen kann. Das Raumprogramm umfasst zudem zwei Lagerräume, die auch als  Kiosk und als Werkstatt dienen können. Nach Süden hin öffnet sich das Gebäude großzügig zu einem Rasenplatz, wodurch ein besonnter und überdachter Sitzbereich entsteht.

 

Der Siegerentwurf schafft so auf sehr kleinem Raum eine Vielfalt an Aufenthaltsqualitäten, die es den Nutzern erlaubt, sich das Gebäude auf sehr individuelle Weise anzueignen. Die Umsetzung hat für die Bewohner des ehemaligen Militärareals einen großen Mehrwert und dass schon während des Baus.

Die Idee, Gemeinschaftsbereiche in Asylunterkünften zu schaffen und das mit den Bewohnern gemeinsam zu tun, hat Leuchtturmqualitäten. Wir freuen uns auf weitere Neuigkeiten aus Mannheim und wünschen viel Erfolg!