Neues vom Design Build Projekt der TU Kaiserslautern (Spinelli Barracks)

Wie bereits berichtet bemühen sich auch Architekturstudenten der TU Kaiserslautern um die Verbesserung der Unterbringungsbedingungen von Asylsuchenden mithilfe von Architektur. In einer Erstaufnahmeeinrichtung in Mannheim gestalten und bauen sie gemeinsam mit den Bewohnern ein Gemeinschaftshaus in den Außenbereichen.

 

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Bodenaushub an den Spinelli Barracks

 

Seit dem letzten Beitrag hat sich einiges getan. Die Entwurfsarbeit ist abgeschlossen und seit Mitte August wird gebaut. Während dieser Zeit leben und wohnen die Studenten gemeinsam mit den Geflüchteten in der Asylunterkunft Spinelli Barracks, sodass das Zusammenarbeiten auf der Baustelle durch ein Zusammenleben ergänzt wird.

Als erster Bauschritt nach dem Abtragen des Oberbodens werden Fundamente geschalt und die Holzwände errichtet. Über alles Neue, das während des Design Build Projekts geschieht, wird ausführlich auf dem Blog des Projekts design-build.space berichtet.

Dem Bau ging ein ganzes Semester Entwurfsvorbereitung voraus, wobei Studierende zunächst an eigenen Designs arbeiteten, aus denen fünf zur vertieften Bearbeitung in Gruppen ausgewählt wurden. Alle Entwürfe vereint die günstige und ökologische Holzarchitektur, sowie eine gute Aufenthaltsqualität und ein guter Identifikationswert. In einer abschließenden Jurysitzung wurde der auszuführende Entwurf bestimmt.

 


Der ausgewählte Entwurf von Sandra Gressung, Sascha Ritschel und Tobias Vogel mit seinen orientalischen Ornamenten ist ein länglicher Bungalow mit einem offenen Rasenplatz im Süden und einem geschützten, dreiseitig umschlossenen Veranstaltungsplatz, sowie einen geschützten Hof im Norden.

Die Außenräume gehen fließend in den Innenraum über. Ein Gemeinschaftsraum im Innern ist zu dem U-Hof hin orientiert, sodass er als Bühne für Veranstaltungen dienen kann. Das Raumprogramm umfasst zudem zwei Lagerräume, die auch als  Kiosk und als Werkstatt dienen können. Nach Süden hin öffnet sich das Gebäude großzügig zu einem Rasenplatz, wodurch ein besonnter und überdachter Sitzbereich entsteht.

 

Der Siegerentwurf schafft so auf sehr kleinem Raum eine Vielfalt an Aufenthaltsqualitäten, die es den Nutzern erlaubt, sich das Gebäude auf sehr individuelle Weise anzueignen. Die Umsetzung hat für die Bewohner des ehemaligen Militärareals einen großen Mehrwert und dass schon während des Baus.

Die Idee, Gemeinschaftsbereiche in Asylunterkünften zu schaffen und das mit den Bewohnern gemeinsam zu tun, hat Leuchtturmqualitäten. Wir freuen uns auf weitere Neuigkeiten aus Mannheim und wünschen viel Erfolg!

 

Die Home not Shelter!-Publikation

Ab sofort ist das Home not Shelter!-Buch mit studentischen Entwürfen zu gemeinsamen Wohnen von Geflüchteten und Studierenden im Jovis Verlag erhältlich!
Auf 144 Seiten werden die Ideen der Teilnehmer aus dem Wintersemester 2015/2016 ausführlich dargestellt.

Zudem enthält die Veröffentlichung die Home not Shelter!-Charta, Stimmen von Geflüchteten und Stakeholdern, den Home not Shelter!-Film und viele Hintergründe zu dem Projekt, dem Prozess und den Personen, die dahinter stehen.

‚Home not Shelter! Gemeinsam leben statt getrennt wohnen‘ ist auf dem Webauftritt des Jovis Verlags, bei allen gängigen Onlineshops für Bücher und im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 978-3-86859-447-8 erhältlich.

 

Home not Shelter!
Gemeinsam leben statt getrennt wohnen

“Kitchen on the Run” goes Wien – Helft mit!

Kochen verbindet! – Das hat das Team von Kitchen on the Run in den vergangenen Monaten auf sehr eindrucksvolle Weise bewiesen. Es ist mit ihrem Küchencontainer in fünf Städten in ganz Europa gewesen und hat dort an 73 Abenden mit etwa 2300 Menschen aus 73 Nationen gekocht. (Mehr zum Projekt und der Reise findet ihr hier: http://www.kitchenontherun.org/.)

Wir wollen, dass diese Reise weitergeht und auch die Wiener die Möglichkeit bekommen, gemeinsam zu kochen und zu genießen. Auch weil wir finden, dass das Wiener Projekt „Traudi“, in dem Studenten und Flüchtlinge gemeinsam dabei mithelfen, ein Bürogebäude im 10. Wiener Bezirk in ein Wohnheim für Studierende und Flüchtlinge umzubauen, kaum besser dazu passen könnte. Das Projekt entstand im Rahmen einer hochschulübergreifenden Initiative „Home not Shelter!“ zur Schaffung von Wohnraum für Studierende und Geflüchtete, welches die Hans Sauer Stiftung ins Leben gerufen hat. Zum gemeinsamen Bauen wird es zudem im September eine Summerschool geben, für die Studierende aus Berlin, Oldenburg und Delft anreisen. Zur Begleitung dieser Summerschool soll auch vom 25. September bis zum 8. Oktober 2016 der Container von Kitchen on the Run auf dem Gelände des Wohnheims stehen. Als Kantine für die fleißigen Bauer, als Tisch an dem die neuen und alten Bewohner des Viertels zusammen kommen und vielleicht auch als Ort, wo du deine Ideen und Rezepte verwirklichen kannst.

(c) kitchen on the run

Und nun kommt ihr in Spiel: Um den Transport und die Betreuung des Containers vor Ort zu gewährleisten, fehlen uns noch finanzielle Mittel und organisatorischer Support.

Helfen könnten ihr etwa, indem ihr eine „Patenschaftfür einen Kochabend im Container übernehmt oder fast noch wichtiger für den Transport spendet. Schreibt uns einfach eine E-Mail mit eurer Idee an b.lersch@hanssauerstiftung.de! Wir freuen uns über jegliche Unterstützung!

Buchempfehlung: Daniel Fuhrhop – Willkommensstadt

 

„Wo werden über eine Million nach Deutschland gezogene Menschen auf Dauer leben? Schaffen das unsere Städte? Wie können wir Flüchtlinge menschenwürdig unterbringen und gleichzeitig Integration fördern?“

 

Antworten auf diese und andere Fragen versucht Daniel Fuhrhop (‚Verbietet das Bauen!‘, oekom Verlag, 2015) in seinem heute erschienenen Buch ‚Wilkommensstadt – Wo Flüchtlinge wohnen und Städte lebendig werden‘ zu beantworten.

Dafür beginnt er mit einem Rückblick auf die jüngere Geschichte der Zuwanderung in Deutschland. Illustriert von vielen kleinen Geschichten und Anekdoten analysiert Fuhrhop, wie die Wohnungsfrage in der Vergangenheit aussah und gelöst wurde, und auch welche Ansätze es heute schon zur Lösung der aktuellen Wohnraumsproblematik gibt. Parallel dazu beschreibt der Autor eine Geschichte der europäischen Städte, auch dies im Zusammenhang mit Migration und der Schaffung von lebenswerten Räumen.

Was Willkommensstadt im weiteren Verlauf besonders angenehm zu lesen macht, ist der Pragmatismus der Buches. Kapitel um Kapitel zeigt Fuhrhop gedachte oder umgesetzte Vorschläge zur Verbesserung des Umgangs mit Migration in den deutschen Städten, gespickt mit vielen Fakten und aufschlussreichen Hintergrundinformationen.

Viele der Ideen, deutsche Städte zu besseren Willkommensstädten zu machen, werden Kennern von Daniel Fuhrhop nicht verwundern. Konsistent mit seinen Aufruf ‚Verbietet das Bauen!‘ fordert er beispielsweise, dass die Durchmischung von Neuankömmlingen und bereits länger in Deutschland lebenden durch Bestandsaktivierungen und geteilten Wohnraum realisiert werden soll.

Ein besonders spannender Punkt ist zudem das Aufräumen mit dem Mythos, in schrumpfenden Städten gäbe es wenig Arbeit, wodurch diese als Ankunftsstädte nicht infrage kämen. Am Beispiel des Elbe-Elster-Landkreises, dessen Jugendarbeitslosigkeitsquote bei sinkenden Einwohnerzahlen seit Jahren abnimmt, erklärt Fuhrhop die Chancen von ‚unterschätzten Orten‘ als zukünftige lebendige Ankunftszentren, die offene Stellen und günstigen Wohnraum zu bieten haben.

Die Kernthese, dass der Zuzug von Migranten in deutsche Städte und Gemeinden einen belebenden und für beide Seiten positiven Effekt haben kann, ist argumentativ gut untermauert und wird von vielen guten Denkanstößen begleitet.
Willkommensstadt – Wo Flüchtlinge wohnen und Städte lebendig werden ist ab heute, dem 22. August 2016 beim oekom Verlag erhältlich.

Daniel Fuhrhop - Willkommensstadt

Daniel Fuhrhop – Willkommensstadt