Vom Laufhaus zum interkulturellen Ort – Why not?

Architekturstudierende der FH Kärnten unterstützen im Sommersemester 2018 das Projektvorhaben vom Verein Vobis & DER.RAUM dabei, einen ungewöhnlichen Leerstand, das ehemalige Laufhaus „why not“, in einen interkulturellen Ort der Begegnung zu verwandeln.

Konsumfreies Stadtteilzentrum

 

„Benachteiligte Menschen im urbanen Raum, Menschen die mehr als andere auf den öffentlichen Stadtraum angewiesen sind, finden immer weniger Platz darin, da auch diese zunehmend kommerzialisiert werden.“

 

Warum nicht lieber ein Stadtteilzentrum entwickeln, in dem Konsum erstmal keine Rolle spielt, Gemeinschaft dafür aber umso mehr? Die von den Studierenden erarbeiteten Konzepte sehen in dem neuen interkulturellen Raum in der Siebenhügelstraße, Potential für ein Sprachcafé, Holz-, Textil- und Fahrradwerkräume, Veranstaltungsräume und Platz für Kochabende, Ausstellungen, gärtnerische Tätigkeiten etc. Ziel ist es, einen sozialen Treffpunkt zu gestalten, der insbesondere sozial benachteiligten Menschen wie MigrantInnen zeigt, dass sie zur Gesellschaft gehören und wertvolle Beiträge für diese leisten.

 

 

Neben dem Raumprogramm entwickelten die Studierenden aber nicht nur Vorschläge für die einzelnen Umbaumaßnahmen der bestehenden Gebäude und Außenanlagen sowie deren architektonische Gestaltung, sondern auch einen Umsetzungsplan und eine Strategie zur partizipativen Einbindung aller Akteure.

 

 

Ende Juni wurde das Projekt im Rahmen einer Präsentation und einer Ausstellung mit anschließendem Auftaktfest in der ehemaligen Kegelbahn am Areal vorgestellt. Aufgrund des sehr positiven Feedbacks beabsichtigt der Architekturstudiengang der FH Kärnten, das Projekt im kommenden Wintersemester in einer Design Build Lehrveranstaltung weiter zu vertiefen und zu begleiten.

Die Entwürfe der Studierenden sind bei Anmeldung beim Verein Vobis vor Ort einsehbar.

 

Team der Studierenden:

Adnane Karouach, Anne Scherbler, Christina Meier, Dongni Zheng, Ferdinand Ulbing, Franz Wegscheider, Jeannette Petritz, Julia Brogyanyi, Magdalena Riepl, Omar Ismaili, Simon Kaltenberger

Team der Lehrenden:

Alexander Hagner, Florian Anzenberger, Gordana Brandner-Gruber, Stefan Breuer

Team der Bauherrschaft:

vobis http://verein-vobis.com/, DER.RAUM https://derraum.eu/, neoHome neoHome@gmx.at

 

Zum Video “Why not in Klagenfurt 2018” geht es hier.

Von der Niederländischen Botschaft zur Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Buch: Das Home not Shelter! Plug-In wird in seiner neuen Heimat eingeweiht!

Am kommenden Dienstag, den 31.07.2018, wird das Home not Shelter! Plug-In in der Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Buch eingeweiht. Ein Grund zum Feiern ist vor allem der partizipative Prozess, in dem Studierende der TU Berlin und Geflüchtete gemeinsam das modulare Pavillon an seinen neuen Standort angepasst und dort fest installiert haben.

Während des MakeCity Festivals 2018 diente der experimentelle Raum auf dem Gelände der Niederländischen Botschaft als Veranstaltungsort und Ort der Begegnung. In den letzten Wochen wurde der Prototyp dann abgebaut und unter der Begleitung von Caroline Sorbier in der Flüchtlingsunterkunft Berlin-Buch als Gemeinschaftspavillon wiederaufgebaut. Hier soll er seinem eigentlichen Zweck nachkommen, der Schaffung eines neuen Gemeinschaftsraumes.

Der Umzug und Wiederaufbau des Pavillons fand in einem beachtlichen 4-wöchigen, offenen Prozess statt. Zahlreiche BewohnerInnen brachten ihr Wissen und ihre Fähigkeiten mit ein, um das Pavillon als zentralen Treffpunkt zu erbauen. Die ortsspezifisch adaptierbare Raumstruktur wurde an die Wünsche und Meinungen der BewohnerInnen angepasst und durch z. B. Sitzgelegenheiten und einen großen Gemeinschaftsgrill ergänzt.

Der Heimat auf der Spur

Gerade beim Thema Flucht und Migration dreht sich vieles um die Frage nach der Heimat. Die einen müssen sie verlassen, die anderen wollen sie vor Eindringlingen schützen. Aber was ist eigentlich Heimat? Wer und was ist Teil davon und wie kann eine neue Heimat entstehen?

„Re-tracing HOME“

Das internationale Architekten-Kollektiv Guerilla Architects wollte diesen und weiteren Fragen rund um das Thema Migration, Wohnen und Heimat nachgehen und startete so im Sommer 2017 das partizipative Design-Forschungsprojekt „Re-tracing HOME N° 01“. Mit Unterstützung von Architecture for Refugees wurde das Projekt ein paar Monate später auf der VIENNA DESIGN WEEK 2017 als (Selbst-) Experiment fortgesetzt: Geführte Stadtführungen, Zeichen- und Schreibworkshops, öffentliche Diskussionsrunden und vor allem ein ergebnisoffener Bauworkshop gehörte zum Programm des zweiten, von der Hans Sauer Stiftung geförderten, „work in progress“ Projekts „Re-tracing HOME N° 02“.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

In nur 10 Tagen einen leeren Raum in ein „Zuhause“ verwandeln?

Ziel des Workshops sei es gewesen, über verschiedene Elemente eines „idealen“ Heims zu spekulieren und eine temporäre Installation mitzugestalten: Der ergebnisoffene Workshop ermöglichte es Teilnehmenden gemeinsam ein „ideales“ Zuhause zu konzipieren, zu planen und zu bauen. Öffentliche Debatten gaben die Möglichkeit sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln über die Bedeutung von Heimat auszutauschen.

Die Nachforschung (re-tracing) einzelner Geschichten von Heimat sollte dabei helfen, diesen Raum der Geborgenheit, aber auch die mit dem Heimatgefühl oftmals verbundene Angst vor Veränderung oder dem „Anderen“, zu erkunden.

Für Monika Jedrysiak von Architecture for Refugees spielt dabei besonders der öffentliche Raum eine wichtige Rolle: Der Prozess der Schaffung einer neuen „Heimat“ bedeute, sich mit einer neuen psychologischen und physischen Umgebung auseinanderzusetzen, dafür genüge es also nicht in einer unvertrauten Stadt ein Dach über dem Kopf zu haben, entscheidend seien Räume für Kommunikation, Begegnung und Austausch.

„Zuhause scheint kein Ort zu sein…“

…Es ist eher eine Situation bei Menschen, wo man sich wohl fühlt und weiß, dass man immer wieder zurückkommen kann.“

Das Zuhause wurde von vielen Teilnehmenden nicht als „realen Raum“ gesehen, sondern vielmehr als eine Kombination unterschiedlicher Faktoren wie Privatsphäre, Gemeinschaft, Verantwortung, Konnektivität, Netzwerk und Komfort.

Wie eine Teetasse sei auch die Heimat „tragbar“ – Ein Heimatgefühl könne auch ortsunabhängig durch vertraute Routinen wie das tägliche Familienabendessen oder den gemeinsamen Tee um 17 Uhr entstehen.

Laut Benedikt Stoll von Guerilla Architects zeigte sich letztlich, dass man einen Ort viel schneller Zuhause nennen könne, als der deutsche Begriff „Heimat“ zunächst impliziert und dass der teilweise antizipierte Unterschied der multikulturellen Vorstellung von „Zuhause“ meist nicht bestätigt wurden.

Die Installation

Die temporäre Installation auf den VIENNA DESIGN WEEKS sei letztlich nicht dazu gedacht gewesen, Antworten auf die aktuelle Wohnungsfragen zu geben, sondern viel mehr zu hinterfragen, was „Heimat“ oder „zu Hause“ aus verschiedenen Perspektiven und Hintergründen bedeuten kann und Denkanstöße zu liefern, die die Bedeutung von räumlichen Grundelementen hinterfragen.

Erkenntnisse, Fotos und Zitate hat das „Re-tracing HOME“ Team in einer abschließenden Publikation zum Projekt zusammengefasst. Zur Publikation.

Weitere Informationen zu „Re-tracing HOME N° 02“ gibt es hier.

Wie geht es weiter?

Das Projekt befindet sich momentan in seiner 3. Runde und begibt sich im Berliner Bezirk Lichtenberg auf die Suche nach sozialräumlichen Netzwerken – also nach der „Heimat“ im Kiez. In Kooperation mit der Stiftung Stadtkultur (Howoge) soll eine Grundlagenermittlung von Bedürfnissen und Wünsche der lokalen Anwohnerschaft in soziokulturelle Projekte für die Zukunft überführt werden.

Im Frühjahr 2019 wird eine abschließende Ausstellung die Erkenntnisse und Geschichten aus dem 1,5-jährigen Forschungsprojekt „Re-tracing HOME“ gegenüberstellen und versuchen den „Heimat“ Begriff in seinen zeitgenössischen Darstellungen und Vorstellungen zu präsentieren.

 

Team Guerilla Architects

 Anja Fritz, Tobias Hattendorf, Benedikt Stoll

mit Bassel Fayad, Monika Jedrysiak, Edwar Hanna, Stephanie Köck

Partners

Architecture for Refugees, Caritas Wien, future.lab

Supporters

C4D – Communication for Development, Hans Sauer Stiftung, Nut & Feder, Makava, Sonnentor

 

 

Aktuelles vom Home not Shelter! Plug-In

Das Home not Shelter! Plug-In geht in eine neue Phase: Das Design Build Projekt nach Modularbauweise, das Bewohnern von Flüchtlingsunterkünften über die reine Unterbringung hinaus die Perspektive einer aktiven Beteiligung bietet, wird derzeit in einem kollaborativen Prozess gemeinsam von Studierenden der TU Berlin und Geflüchteten entwickelt, gebaut und bespielt.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Der experimentelle Raum dient während des MakeCity Festivals (15. Juni bis 01. Juli) als Ort der Begegnung, nach Ablauf des Festivals wird das Plug-In Flüchtlingsunterkünften in Berlin Buch, Stuttgart, Oldenburg und den Niederlanden dauerhaft als Gemeinschaftsraum zur Verfügung gestellt.

Im Zentrum steht dabei die innovative Modularbauweise, die in kollaborativen Prozessen Räume besonderer Art schafft: Die offene Raumstruktur ist seriell fertigbar, präfabrizierbar, ortsspezifisch adaptierbar, erweiter- und ergänzbar und passt sich demnach optimal an seine sich immerfort wandelnden Bedingungen und spezifischen Kontexten an. In Anbetracht einer oftmals prekären Wohnsituation von Geflüchteten in Notunterkünften kann Wohnraum erweitert und Angebote über eine Beherbergung hinaus geschaffen werden, die Förderung sozial-kultureller Integration ist das Ziel, Lehr- und Lernmodule sind denkbar.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Bereits in vergangenen Jahren wurden gemeinsam mit der Hans Sauer Stiftung in verschiedenen Kontexten alternative Formen des Arbeitens, Bauens, Gestaltens und Wohnens untersucht bzw. mit diesen experimentiert.

Stets mit der Frage nach integrativen und transformativen Potentialen von Design und Architektur, Suche nach Prozessen der Gestaltung, die auf die Bedürfnisse und Prozesse des urbanen Lebens neue Antworten geben und dabei partizipative, kollaborative und gemeinschaftliche Praktiken und Handlungsformen in den Mittelpunkt stellen.

Ausgangspunkt ist die These, dass angesichts des gesellschaftlichen Wandels und neuer sozialer Problemlagen über neue Angebote des Wohnens, Arbeitens und Lernens nachgedacht werden sollte, die in der Lage sind, Angebote des Übergangs und der Inklusion im kontinuierlichen Wandel des städtischen Lebens zu machen.

Das Home not Shelter! Plug-In mit seiner flexibel anpassbaren Modularbauweise gibt eine mögliche Antwort auf den Bedarf nach Orten des Dazwischens.

Mehr über das Home not Shelter! Plug-In am MakeCity Festival erfährst du hier.